Der Wald

Aus Sicht des Waldbesitzers

Im Trub befindet sich ein grosser Teil des Waldes in privatem Besitz. Es ist keine Seltenheit, dass ein Landwirt im Trub flächenmässig mehr Wald als Land besitzt.
Für viele Landwirtschaftsbetriebe ist der Wald ein wichtiges betriebswirtschaftliches Standbein. Die Stürme der letzten 20 Jahre haben den Holzmarkt nachhaltig verändert.
Der Rundholzpreis ist stark gesunken und der Absatz ist teilweise zum Erliegen gekommen.
Auf die Stürme folgende Borkenkäferplagen stellen für viele Waldbesitzer eine grosse Belastung dar.

In Steillagen, wo mit einer Seilkrananlage geerntet werden muss, ist eine wirtschaftlich tragbare Nutzung kaum mehr möglich. Trotzdem ist der Truberwaldbesitzer sehr mit dem Wald verbunden, die Gesundheit und die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes liegen allen sehr am Herzen. 

Dass der Holzabsatz für die Truber schon immer sehr wichtig war, zeigt die Holzverwertungsgenossenschaft Trub – Trubschachen – Langnau, welche ihren Ursprung vor 75 Jahren im Trub hatte.
Die Holzverwertungsgenossenschaft ist ein sehr wichtiger Partner für die Vermarktung von gefälltem Holz. Gerade in Zeiten mit schwierigem Holzabsatz kann die Genossenschaft mit ihrem Netzwerk die Vermarktung sicherstellen.

Bei Bauprojekten zeigt sich eine weitere wichtige Eigenschaft vom Truberwaldbesitzer. Für viele ist es ein wichtiges Anliegen, dass mit Holz aus dem eigenen Walde gebaut wird, so bleibt eine grössere Wertschöpfung auf dem Betrieb.

Ein wichtiger Faktor ist aber auch die Emotion.
Das Gefühl, mit Holz zu bauen, das auf dem eigenen Boden gewachsen ist und das man selbst gefällt hat, ist sehr befriedigend.
Ein Zeichen für dieses Vorgehen sind die zahlreichen Lohnsägereien im Trub. 

Aus Sicht des Försters

Die Wälder in der Gemeinde Trub haben verschiedene Funktionen zu erfüllen:
Nebst der Produktion des nachwachsenden CO2-neutralen Rohstoffes Holz, schützen sie uns vor Rutschungen und Lawinen. Sie prägen unsere Landschaft, produzieren Sauerstoff, filtern wertvolles Trinkwasser und sind Lebensraum für Wildtiere. Die Mehrheit dieser Funktionen kann nur durch eine regelmässige und nachhaltige Waldbewirtschaftung sichergestellt werden. 

Die Wälder befinden sich zwischen 750 m ü. M. im Längengrund und 1400 m ü. M. auf dem Napf. In den tieferen Lagen sind es hauptsächlich Tannen-Buchen-Wälder, gefolgt von Tannen-Fichten-Wäldern in den oberen Lagen. Lokal kommen auch Spezialstandorte wie Ahorn-Eschen-Wald vor. 

Waldbesitzverhältnisse
Der Anteil an Privatwaldbesitzern ist im Trub bei fast 100%. Total sind es 206 Waldbesitzer, die meisten mit landwirtschaftlichen Betrieben. Die Waldfläche pro Waldbesitzer beträgt im Durchscnitt ca. 15 ha und ist für Schweizer Verhältnisse sehr gross. Die Waldbewirtschaftung und der Erlös daraus ist für die Truber Landwirte noch heute ein wichtiges Standbein.

Waldflächenentwicklung
Die Gemeinde Trub ist heute zu 50% bewaldet. Zu Beginn der Besiedlung vor gut 1000 Jahren war das Emmental fast vollständig bewaldet. Danach wurde der Wald bis ins 19. Jahrhundert stark zurückgedrängt. Grund war die Gewinnung von Weideland zur Käseproduktion, sowie der hohe Bedarf an Nutz- und Brennholz bei den Bauern und dem Gewerbe. Ausserdem wurde Holzkohle gewonnen und an Eisen- und Glaswerke geliefert. So betrug der Waldanteil 1754 in der Gemeinde Trub nur noch wenige Prozente. Die Folgen dieser enormen Entwaldung blieben nicht aus. Es kam zu grossen Überschwemmungen, die dann zur Trendwende führten.
1876 wurde ein eidgenössisches Waldgesetz erlassen, das eine Waldflächenzunahme zum Ziel hatte. Noch heute geniesst der Wald eine sehr strenge Gesetzgebung, was verhindert, dass die Waldfläche weiter reduziert würde. 

Waldbau
Unter Waldbau versteht man die Eingriffe in den Baumbestand eines Waldes. Die Eingriffe richten sich immer nach bestimmten Zielen, die der Wald aus menschlicher Sicht zu erfüllen hat (Schutz, Erholung, Qualitätssteigerung des Holzes oder des Lebensraumes).
In den Truberwäldern werden seit Generationen stufige Bestände angestrebt, welche diese Ziele sehr gut abdecken. Damit Bestände stufig bleiben, müssen sie in einem regelmässigen Turnus gepflegt werden. Das setzt eine Nachfrage nach Rundholz voraus, die in den letzten Jahren leider rückläufig wurde. 

Aus Sicht der Nachhaltigkeit

Mit der Holzbauweise setzen wir konsequent auf einen Rohstoff, welcher nachwachsend ist und in der Schweiz in genügender Menge vorkommt.
Holzbaustoffe sind für alle üblichen Anwendungen im Baubereich verfügbar von A wie Aussenbekleidung bis Z wie Zimmerboden. Holz ist beständig und langlebig, stofflich völlig unbedenklich und vielseitig einsetzbar.

Die Bäume, welche für die Baustoffe eingesetzt werden, haben beim Wachsen aus Kohlendioxid (CO2) Sauerstoff (O2) und Kohlenstoff (C) produziert. Aus Kohlenstoff wird Holz und der Sauerstoff mischt sich in die Luft. So entzieht der Baum beim Wachsen der Atmosphäre CO2.

Für 1 m3 Holz benötigt der Baum ca. 1 Tonne CO2, welches er mittels Photosynthese in Luft (O2) und Kohlenstoff (C) umwandelt.
Somit leisten alle Holzbaustoffe einen wertvollen Beitrag zur CO2-Reduktion.
Es gibt kein zweites Baumaterial mit dieser Eigenschaft.

Die Geburtshelferkröte

Mit der Verwendung von Holz wird nicht nur der Wald gepflegt, sondern auch wichtiger Lebensraum für viele Tierarten geschaffen.

In den letzten Jahren hat die Geburtshelferkröte (Glögglifrösch) in der Schweiz einen bedenklichen Rückgang erlitten.
Darum ist es wichtig, den Lebensraum dieser Tierart mit einer gezielten Holznutzung zu fördern.
Hier finden Sie mehr zur Geburtshelferkröte.


Im Truberwald läuft zurzeit eine Lebensraumaufwertung zugunsten der Geburtshelferkröte.
Dabei wurden für die Erhöhung der Sonneneinstrahlung auf den Waldboden 40 m3 Rundholz gefällt. Weiter werden zwei Teichflächen gebaut, damit der «Glögglifrösch» sich fortpflanzen kann.

Übrigens:
10 m3 von diesem gefällten Holz
gehen an den Bau der neuen Turnhalle.

Der Seilkran,
die Holzbringung im steilen Gelände

Typisch für die Gemeinde Trub sind die steilen Seitenhänge, die mehrheitlich bewaldet sind. Um diese Wälder zu pflegen und zu verjüngen, werden für die Holzbringung häufig Seilkräne eingesetzt. Im Truberwald sind es 30-40% der jährlichen Holzmenge, die mit dem Seilkran gerückt werden.

Bei einem Seilkran wird ein Tragseil durch den zu bewirtschaftenden Waldperimeter gespannt. Die Seillinie wird vorgängig abgesteckt und muss gut geplant werden. Mit einem Zugseil wird ein Laufwagen auf dem Tragseil berg- oder talwärts gefahren. Mit dem Laufwagen werden vorgerüstete Stämme aufgezogen und zur nächsten, LKW-befahrbaren Strasse transportiert.

Mit dieser Holzerntetechnik ist es möglich, auch bei nicht befahrbaren Verhältnissen (steil, nass usw.) Wald schonend zu bewirtschaften.


Zuerst Ausbildung, dann Holzen

Waldarbeiten sind immer mit Gefahren verbunden. Es ist lebenswichtig, dass ein Waldarbeiter bei seiner Arbeit die Gefahren erkennen und sie mit der richtigen Technik verhindern kann. Darum werden im Truberwald seit drei Jahren jeweils im Herbst Holzerkurse durchgeführt. 

Zehn lebenswichtige Regeln für die Waldarbeit

Zurzeit findet wieder das Modul E 29 „Holzerei für Fortgeschrittene“ statt. Organisiert und geleitet werden die Kurse vom Truber Samuel Zaugg. Er ist gelernter Forstwart und Instruktor bei “Wald Schweiz”. Die Teilnehmer (mehrheitlich Waldbesitzer) lernen in den 5 Tagen wichtige Sicherheitsregeln und Schnitttechniken, die ein sicheres Fällen und Rüsten von Bäumen ermöglichen.